Selbstversuch – Trinke nie, wenn du alleine bist

Der Gedanke, ein Trinktagebuch zu führen, kam mir schon vor gut 5 Jahren.

Ich merkte schon, dass es eben nicht „normal“ ist, wie oft und wieviel ich trank. Wein war für mich ein Genussmittel, aber auch ein „Muss-Mittel“. Es gab Tage, da konnte ich locker drauf verzichten. Aber davon gab es meist wenige. Und mit der Zeit auch immer weniger.

Eine Freundin sagte mal zu mir, dass sie abends und überhaupt in der Woche gar nicht trinke. Konnte ich nicht nachvollziehen. Bei mir war das anders. Aber, dass mein Verhalten eben nicht „normal“ war, das sah ich nicht…. Ein Gläschen zum Abschalten am Abend, warum nicht? Nur, dass es eben nicht bei einem Gläschen blieb.

Doch warum neigen wir oft dazu, unsere „Sünden“ zu verniedlichen? Zeigt sich nicht da vielleicht schon innerlich das eigene schlechte Gewissen?

Kann man nicht gleich sagen, es blieb nicht bei dem Glas, sondern es wurden gleich zwei oder drei Gläser Wein. Das hört sich auch schon gleich nach einer großen Menge an. Nämlich schon nach einer ganzen Flasche. So ist es doch auch!

Schützen wir uns so selbst vor der Wahrheit? Die Wahrheit kann ein Alkoholiker sowieso erst einmal nicht vertragen. Der lebt in seiner eigenen Welt.

Wobei, hat nicht jeder Mensch seine eigene Wahrheit? Es ist sehr schwer, sich einzugestehen, dass da irgend etwas schief läuft im eigenen Leben.

Für mich steht fest – und das Eingeständnis kam spät – dass ich es meist mit dem Alkoholkonsum übertrieben habe, wenn ich allein im Haus war. Bei der Gelegenheit kam das innerliche Hochgefühl der Freiheit auf. Eine Flasche Wein schaffte ich auf jeden Fall am Abend, Reste gab es bei mir nicht. Einteilen ging gar nicht.

Mehrnoch, wenn ich noch ein Bier im Kühlschrank fand und die Weinflasche schon wieder leer war, machte ich das auch noch auf. Egal, nach mir die Sinnflut….. Ich kannte kein Maß, bis das Maß dann voll war. (Und ich auch!)

Immer wieder nahm ich mir vor: Jetzt ist Schluss damit. Entweder Du trinkst kontrolliert und nicht gleich alles auf einmal, oder Du lässt es ganz bleiben. Bis mich mein eigenes Verhalten an einem bestimmten Abend vor über 5 Jahren so schockierte, dass ich wusste, ich muss jetzt die Reißleine ziehen, wenn ich nicht alles verlieren möchte – meine Selbstachtung, meine Gesundheit, mein Leben, meine Liebe, meinen Freund….

An diesem Abend war ich sogar froh, dass ich nicht allein Zuhause war. Ich war geradezu erleichtert, dass ich mir die Frage: Trinken? oder Nicht-Trinken? eben gar nicht stellen musste. Denn mein guter Vorsatz lautete: Nein! Als er sich dann aber doch noch kurzfristig dazu entschloß zum Handball zu gehen, ging ich automatisch ins Wohnzimmer und griff mir die Flasche Wein aus dem Korb, ich machte sie wie ferngesteuert auf, obwohl ich genau wusste, dass ich meinen guten Vorsatz wieder zum Teufel scherrte und ich war mir auch bewusst, dass ich mich am kommenden Tag wieder völlig elendig fühlen würde….und ich wusste, dass ich sie leeren würde, bis auf den letzten Tropfen….und ich wusste auch, dass meine Zeit des Alleinseins und somit der Gelegenheit knapp bemessen, bzw. zumindest begrenzt war….so ging ich, als die Flasche geleert war, dennoch zum Kühlschrank und holte noch ein Bier heraus.

Als mein Freund heim kam, stand das Bier noch auf dem Tisch neben meinem Laptop, an dem ich saß. Ich sah schemenhaft, dass die Flasche noch voll war. Bei der Begrüßung fiel mir das Sprechen schon schwer und ich muss mir die Flasche noch ins Glas gefüllt und reingezogen haben, denn das Glas hatte ich noch ausgetrunken. Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, ob ich aufstehen und die leere Flasche in die Küche bringen wollte. Eigentlich wusste ich am nächsten Morgen nicht mal mehr, ob sie wirklich leer war. Ich wusste nur, dass ich sie plötzlich habe fallen lassen und dass es viele Scherben auf dem Boden gab. Ein paar davon hob ich auf. Aber wohl nicht gründlich (sonst bin ich unglaublich pingelig, sieht mir also überhaupt nicht ähnlich), denn als ich im Bad war und mir die Zähne putze (tat ich das wirklich noch?), holte mein Freund den Staubsauger heraus und beseitigte den Rest der Bescherung. Er war sauer!!! Und das zu recht…

Mir war das unendlich peinlich! Und ich fragte mich ernsthaft, ob ich ein Problem mit Alkohol habe. Die Antwort lautet ja!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s