Tag 5 – 9 / das Teufelszeug und das Ende

Tag 5 
Mein Freund und ich  waren in einer Talkshow – leider zuvor schon geplant und gebucht – man  sollte das eben nicht machen. Nichts im Leben ist planbar.Auch der  Sänger von BAP konnte mich nicht aufheitern. Man traf sich zum Talk  sozusagen auch zum Frühshoppen (so wie es früher unter den Männern die  Regel war) – es gab neben Softdrinks auch Bier und bestimmt auch Wein.  Aber ich hatte kein Verlangen danach. Vielleicht, weil man mit den  Gedanken sowieso schon immer bei meinem Bruder im KH war?….immer mit  einem Auge auf dem Handy….! Vielleicht auch, weil die Veranstaltung  gegen Mittag um halb 12 bereits anfing? Es war herrlichstes  Wetter, als wir die Talkshow gegen halb 2 verließen….Draußen waren  jede Menge Fressbuden – aber man konnte sich irgendwie nicht richtig  dran erfreuen. Und Alkohol gab es da in Massen…… – Kein Gedanke  daran! Ertränkt man nicht eigentlich seinen Kummer in Alkohol?

Tag 6
Ich  sitze auf der Couch, mein Freund ist beim Handball – ich kämpfe noch  immer mit der Erkältung, speziell mit dem Husten (apropos, ich muss  Hustensaft nehmen – habe mir gar keine Gedanken darum gemacht, ob da  Alkohol drin ist). Normalerweise würde ich jetzt zum Bier oder Weinchen  greifen – habe aber keine Amibitionen, dies zu tun. Mir geht es ganz gut  ohne Kater am Morgen und Sodbrennen in der Nacht. Als ich mit  meiner Schwägerin in der Kantine des Krankenhauses sass, sagte sie zu  mir: „Fahren wir jetzt nach Hause, dann machst Du es Dir gemütlich bei  einem Glas Wein.“ „Nee!“, erwiderte ich trocken, „Ganz bestimmt nicht!“  Außerdem muss man auch immer sprungbereit sein…..Ich hoffe, ich kann  nicht nur deshalb so gut im Moment darauf verzichten….dennoch bin ich  völlig fertig – im Moment – und habe keine Lust auf Alkohol. Gut so!

Tag 7
Noch  immer habe ich, bestimmt bedingt durch den ganzen Stress, keine Lust  auf ein Bierchen oder Wein. Im Prinzip denke ich auch gar nicht mehr  darüber nach. Wahrscheinlich auch, weil ich keine Zeit mehr dazu haben –  abends bin ich zum Umfallen müde und den ganzen Tag unter Anspannung,  auch nachts. Als ich heute eine Krankenschwester mit schlanker Figur  sah, habe ich mich richtig dick gefühlt und gedacht, ich habe mich schon  verändert, diese ganzen Kalorien. Alkohol allein hat schon  überflüssige, aber dann futtert man alles, was einem in den Weg kommt,  also noch mehr sinnlose Kalorien, in sich hinein….vom Kater am  nächsten Morgen ganz zu schweigen. Hatte ich den schweren Kopf und die  Antriebslosigkeit schon erwähnt?

Tag 8
Im  Prinzip ist es heute ähnlich wie am Tag davor – Anspannung und abends  auf der Couch immer der Blick zum Handy, wo auch immer man hingeht, es  ist ist immer dabei, selbst auf dem Klo begleitet mich mein Handy. Auch  nachts ist man immer auf dem Sprung. Alkohol geht jetzt gar nicht – und  es ist ein schönes Gefühl, wenn man weiß, man hat sich selbst noch unter  Kontrolle und könnte z.B. spontan ins Auto steigen und fahren, wohin  man wollte, bzw. auch, wenn man müsste. Tag 9 Heute  morgen der Erfolg auf der Waage – von 69 kg auf 67 kg runter. Da musste  ich gleich ein Foto machen. Doch dann kam der gefürchtete Anruf aus dem  Krankenhaus, der alles wieder zunichte machte – all meine Freude über  den eigenen Erfolg…..mein Bruder ist gestorben, gerade in diesem  Moment……ich konnte es nicht fassen – Hilflosigkeit, Trauer, das  Loch….in das man fällt…..einfach so……! Abends hatte ich  dann den leichten Drang, dieses Vorhaben (meinen Selbstversuch) zu  beenden, sinnlos nichts zu trinken, so muss man nun ja nicht mehr  startklar und sprungbereit sein…..aber ich besann mich sogleich und  ich dachte auch an meine Schwägerin; was, wenn sie zusammenklappte, dann  müsste ich schon spungbereit sein…..und es wäre auch fatal, wenn ich  einfach so wieder ins alte Muster verfallen würde…..und ich dachte  auch an meinen Bruder, der früher auch oft und gerne in Kneipen war und  vielleicht kommen diese Krankheiten auch vom Alkoholkonsum, der zu oft,  zu lang war….über die Jahre hin? Es kann nicht schaden, wenn  man mal pausiert und danach auch weniger dosiert – oder gar nicht mehr damit anfängt, mit dem Teufelszeug!

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